Medizin und Ethik waren schon immer untrennbar miteinander verbunden und ein wichtiger Bestandteil der Arzt-Patientenbeziehung. Diese sehr individuell geprägte Medizinethik wird heute zunehmend durch ergänzende formale Einrichtungen unterstützt. Die Gründe dafür sind vielschichtig.
Eine besondere Bedeutung haben sicher zwei Faktoren: Einmal eine immer komplexere Situation im Gesundheitswesen, hervorgerufen durch die rasche medizinische Entwicklung bei gleichzeitig zunehmenden Finanzierungsproblemen und sich verändernden sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen, zum anderen die Individualisierung moralischer Vorstellungen in einer modernen, pluralen Gesellschaft. Diese Vielgestaltigkeit der moralischen Überzeugungen und Lebenseinstellungen rückt bei der Betrachtung komplizierter medizinischer Sachverhalte den Willen des betroffenen Patienten zu Recht in den Mittelpunkt aller medizinischen Entscheidungen, aber auch in den Fokus sozial- und gesundheitspolitischer Planungen (Transplantationsmedizin, Patientenverfügung etc.) sowie der medizinischen Forschung.
Universitäten und Forschungseinrichtungen arbeiten seit vielen Jahren mit Ethik-Kommissionen zusammen. Es ist heute in zivilisierten Staaten nicht mehr möglich, Forschung am Menschen zu betreiben, ohne dass zuvor eine Ethik-Kommission die Vertretbarkeit des Forschungsvorhabens überprüft hat. Und was passiert in der praktischen Krankenversorgung? Diese Frage stellt sich besonders für Krankenhäuser, denn dort häufen sich schwierige, moralisch kontrovers diskutierte medizinische Grenzsituationen.
Hier haben zuerst einige konfessionelle Krankenhäuser reagiert und so genannte Klinische Ethik-Komitees (KEK) eingerichtet. Aber es blieb bei wenigen Insellösungen, nach einer bundesweiten Erhebung verfügten 2007 von 2.400 deutschen Krankenhäusern etwa 100, darunter drei Universitätskliniken, über ein KEK. Das Klinikum Herford hat sich entschlossen, im Bereich der kommunalen/öffentlichen Krankenhäuser diese Entwicklung zu fördern und frühzeitig als eine der großen Kliniken in diesem Sektor ein KEK zu gründen.
Das Klinische Ethik-Komitee (KEK) entstand im Mai 2009 und besteht aus dreizehn ständigen Mitgliedern, darunter zwei externen Persönlichkeiten. Es ist multiprofessionell zusammengesetzt, um die Erfahrungen und Hilfen verschiedener Berufsgruppen nutzen zu können. Im KEK vertreten sind vier Personen aus dem Pflegebereich (Pflegedienstleitung, Teamleitung, Fort- und Weiterbildung), drei Theologen, ein Jurist (Vorsitzender Richter am OLG a.D.) und vier Ärzte. Das KEK hat Prof. Dr. med Matthias Sitzer, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum, zu seinem Vorsitzenden gewählt, Pfarrer Karl-Peter Haertel ist zum stellvertretenden Vorsitzenden und Schriftführer benannt worden.
Das KEK ist ein reines Beratungsgremium für schwierige, moralisch kontroverse Entscheidungen in Grenzsituationen der praktischen Medizin. Hierzu wird das KEK auf Anforderung die Moderation von Fallbesprechungen anbieten. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Unterstützung des Klinikums und seiner Mitarbeiter bei der Meinungsbildung und Lösung allgemeiner Probleme mit Bezug zu ethischen Fragestellungen.